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Materialien

35 Kilo Hoffnung

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Repertoirekarte
35 KILO HOFFNUNG - 22.11.2016.pdf

Auerhaus

Vorwort

Zur Inszenierung

Späte 1980er Jahre, schwäbische Provinz: Hier passt jedermanns Leben in vier Schubladen: Geburt, Schule, Arbeit, Tod. Ausgerechnet ein Selbstmordversuch bringt sechs Jugendliche in eine WG zusammen, die sich diesem tristen Trott nicht ergeben, sondern ein anderes, ein liebens- und lebenswertes Leben leben wollen. Gemeinsam erfinden sie sich einen Alltag, in dem Platz ist für rauschende Partys, Dosenravioli, Diskussionen um die Haushaltskasse, erste Lieben und eine Freundschaft, die den 18-jährigen Frieder am Leben hält.

Im GENERATOR, dem temporär in die Studiobühne des tjg. eingebauten Kunstraum, nehmen die ZuschauerInnen in der Wohnküche des „Auerhaus“ Platz und sind dadurch mittendrin in der Inszenierung von Bov Bjergs Coming-of-Age-Roman, der auf ebenso komische wie tragische Weise eine Geschichte von den Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens erzählt.

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung
  • Welche gemeinsamen und individuellen Themen beschäftigen die fünf Jugendlichen, die im „Auerhaus“ leben? Gibt es Themen, die Dich auch beschäftigen?
  • Aus welchen Gründen und mit welchen Sehnsüchten und Hoffnungen ziehen die Jugendlichen ins „Auerhaus“?
  • Wie gehen die Figuren in der Inszenierung jeweils mit dem Selbstmordversuch von Frieder um? Welche Herangehensweisen, Begegnung und Reaktionen hast Du gesehen?
  • Welche Schwierigkeiten und Herausforderungen im Zusammenleben sind aufgekommen?  

 

Übung für Kleingruppen / Familien

Soundtrack Deines Lebens

Art Nachbereitung des Theaterbesuchs
Dauer 30 Minuten
Anforderung Musikabspielgeräte
Ziel musikalische Übersetzungen finden

Was ist der Soundtrack Deines Lebens? Welche Lieder haben Dich und Deine Familie geprägt? 
Welche besonderen Momente, Erinnerungen und Emotionen verbindest die Du mit bestimmten Liedern? 

Nehmt Euch Zeit und überlegt, welche zehn Lieder, zum „Soundtrack Deines Lebens“ gehören und warum. Stellt die Lieder in einer passenden Reihenfolge zusammen und gestaltet ein Konzert via YouTube, Handy, Kassette, CD etc. oder singt selber und erzählt von den verschiedenen Lebensabschnitten. 

 

Übung für Großgruppen / Klassen

Baut Euer Auerhaus!

Art Nachbereitung des Theaterbesuchs
Dauer 60 Minuten
Anforderungen Pappkarton, Klebeband/Gewebeband, Cuttermesser, Scheren, Stifte
Ziel Wohn-und Lebenskonzepte erarbeiten

 

Zusammenwohnen zum Selberbauen! Wie möchtest Du leben? Wie sieht Dein „Auerhaus“ aus?
Mit diesen Fragen starten die SchülerInnen in Kleingruppen aus 5-6 Personen, um anschließend ein Modellhaus aus Pappkarton zu bauen.

Dabei sollen individuelle und gemeinsame Ideen zusammenfließen. Als Hilfestellung können die unten aufgeführten Fragen und bereits existierende Beispiele für alternative Wohnformen in die Gruppe zum Diskutieren gegeben werden. Die Größe des „Auerhauses“ hängt von den vorhandenen Materialien ab. Mit Hilfe von Klebeband werden die Bauteile zusammengeklebt und über Markierungen die einzelnen Teile mit Titeln beschriftet.
Anschließend stellen sich die Gruppen ihre Modelle in einem Rundgang gegenseitig vor.

 

Folgende Fragen dienen als Anregung zum Diskutieren und Planen für die Gruppen:

Welche Formen von Zusammenleben kennst Du? 
Wie stellst Du Dir Dein ideales Zusammenwohnen vor?
Welche Gründe gibt es für Zusammenwohnen? Resultieren daraus verschiedene Überlegungen und Ansätze im Wohn-Konzept?
Was kann und soll das Zusammenleben und der Austausch bewirken und erreichen?
Was sollte Bestandteil sein und was auf gar keinen Fall?
Wie kann man die individuellen Wünsche und Bedürfnisse verbinden?

 

Folgende Informationen über alternative Wohn-und Lebenskonzepte  können als Ausgangspunkt  für Gespräche genutzt werden:

 

Mehrgenerationenhäuser
Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte, an denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird. Sie bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Miteinander in der Kommune. Mehrgenerationenhäuser stehen allen Menschen offen – unabhängig von Alter oder Herkunft. Jede und jeder ist willkommen. Der generationenübergreifende Ansatz gibt den Häusern ihren Namen und ist Alleinstellungsmerkmal: Jüngere helfen Älteren und umgekehrt. Mehrgenerationenhäuser gibt es nahezu überall in Deutschland. Bundesweit nehmen rund 550 Häuser am Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus teil.

(Quelle: https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/mehrgenerationenhaeuser/was-ist-ein-mehrgenerationenhaus/)

 

Beginenhöfe
Wahlverwandtschaften sollen sich in dieser Wohnform finden. Und zwar genauer gesagt solche unter Frauen. Denn in Beginenhöfen wohnen Frauen zwischen 40 und 80 in einer Gemeinschaft zusammen. Die Frauen haben zwar ihre eigenen Wohnungen (wohl meist auch Eigentumswohnungen), helfen und unterstützen sich aber gegenseitig oder unternehmen gemeinsam etwas.

Die Beginenhöfe knüpfen damit an die belgische Tradition der Beginenhöfe an, in denen verwitwete und unverheiratete Frauen im 12. Jahrhundert selbstbestimmt und gemeinschaftlich zusammenlebten. Beginenhöfe gibt es zum Beispiel in Berlin, Köln, Dortmund und Bielefeld. 

(Quelle: https://www.fuereinebesserewelt.info/alternative-wohnformen-7-ideen-fuer-schoeneres-wohnen/ )

 

Mietshäuser-Syndikat
Um dem Markt Häuser in begehrten Städten zu entziehen, damit einen Riegel vor die Spekulation mit Wohnraum zu schieben und den Menschen langfristig erschwingliche Mieten zu garantieren, hat sich vor vielen Jahren das Mietshäuser-Syndikat gegründet. Die Idee: Menschen kaufen gemeinsam ein Haus. Die spezielle Struktur sorgt dafür, dass niemand Profit aus den Häusern ziehen kann und diese langfristig allen gehören.

Über 90 realisierte Projekte gibt es davon in ganz Deutschland. Außerdem leben die Menschen des Mietshäuser-Syndikats in echten Hausgemeinschaften. Sie kochen zusammen,  leben zusammen, sie entscheiden gemeinsam. 

(Quelle: https://www.fuereinebesserewelt.info/alternative-wohnformen-7-ideen-fuer-schoeneres-wohnen/ )

 

Wohnen für Mithilfe
Fenster putzen, Rasen mähen, Einkaufstüten tragen und dafür die Miete sparen: In zahlreichen Städten gibt es mittlerweile Projekte, um alte und junge Menschen unter ein Dach zu bringen. „Wohnen für Mithilfe“ nennt sich die alternative Lebensform. Sie eignet sich vor allem für Menschen, die alleine in einer großen Wohnung mit ungenutzten Zimmern leben. Aber auch diejenigen, die in ihrem Haus eine Einliegerwohnung haben und diese samt Grundstück nicht mehr bewirtschaften können, können von diesem Modell profitieren. Bei diesem Projekt muss in der Regel pro Quadratmeter Wohnraum eine Stunde Arbeit im Monat geleistet werden. Wer also Einkäufe erledigt, seinen älteren Vermieter wöchentlich zum Arzt fährt oder im Garten hilft, spart sich einen der Teil der Miete oder wohnt komplett umsonst. Nur die Nebenkosten - Wasser und Strom - müssen bezahlt werden.

(Quelle: https://www.immobilienscout24.de/ratgeber/immobiliensuche-tipps/wohnen-tipps/alternative-wohnformen.html)

Grundlagentext

Musik in „Auerhaus“

von Clemens Miersch

Als Herr Seidel, der Nachbar der WG um Frieder und Höppner, die geliehene Axt von Frieders verstorbenem Großvater wiederbringt, beschallt gerade der Song „Our House” von Madness die gemeinsame Mahlzeit der WG. Seidel, der englischen Sprache nicht mächtig, hört den Refrain und deutscht ihn kurzerhand ein: „Auerhaus, aha. Auerochse, Auerhaus.“ Sein kurzer Auftritt ist damit ein Akt der Namensgebung. Doch nicht nur die Tatsache, dass sowohl die WG als auch der Roman nach einem Songtitel benannt sind, macht die Musik zu einem Referenzpunkt des Textes. Neben dem titelgebenden Stück sind „The Finale Countdown“ von Europe, „Birth, School, Work, Death“ von The Godfathers, „Que Sera, Sera (Whatever will be, will be)“ von Doris Day und, zumindest in indirekter Weise, Mikis Theodorakis‘ Filmmusik zu „Alexis Sorbas“ weitere Songs, die im Roman nicht nur erwähnt werden, sondern oft in kommentierender Funktion zur Handlung und zu den Figuren stehen. Anhand zweier Songs kann dies beispielhaft aufgezeigt werden: Madness‘ „Our House“ und „Birth, School, Work, Death“ von The Godfathers.

Madness, 1976 in Großbritannien gegründet und – abgesehen von einer Trennung im Jahre 1986, die bis 1992 anhielt – bis heute noch aktiv, ließen in den 1970er und 80er Jahren besonders in Westeuropa die Musikrichtung Ska wieder aufleben. Dabei waren sie vor allem mit ihren Singles äußerst erfolgreich: Die ersten 20 Singles stiegen allesamt in die Top 20 der britischen Charts ein – ein Erfolg, der selbst großen Künstlern wie Elvis oder den Beatles nicht vergönnt war. Madness‘ erfolgreichster Hit war der Song „Our House“, der im Januar 1983 in die deutschen Charts einstieg und sich dort drei Wochen lang auf Platz 8 halten konnte. 1

Dieses Titelstück des „Soundtracks“ zu Bov Bjergs Roman wirft einen nostalgischen, aber auch verklärten Blick zurück auf das Ideal der Kindheit. Der Liedtext  entwirft dabei ein so durchschnittliches wie normalisiertes Familienporträt, eine regelrechte Einfamilienreihenhaus-Idylle. In diesem belebten Haus, das hier besungen wird, haben alle ihre ‚naturgemäßen‘, stereotypisierten Rollen: Der Vater arbeitet, die Mutter kümmert sich liebevoll um die Kinder und den Haushalt, die Kinder spielen und verträumen die Zeit oder bereiten sich auf eine Verabredung bei. Diesem befriedenden, selbstvergessenen und ebenso alltäglichen Glück scheinen keine ernsthafte Sorgen entgegengestellt.

Doch dieses Idyll kommt einem nicht von ungefähr verdächtig vor, im Gegenteil. Bereits im Liedtext selbst wird gegen dieses verklärte Ideal ein Bruch gesetzt. So heißt es dort ganz unvermittelt: „Something tells you that you've got to move away from it.” Auch das Musikvideo von „Our House“ verrät, dass Madness dieses Ideal bewusst humoristisch karikieren und ins Ironische wenden. 3

Gleichzeitig bleibt der Song jedoch unterbestimmt, wenn man annimmt, er erschöpft sich darin, dieses Ideal ins Lächerliche zu kehren. Das wäre wohl auch nicht hinreichend, den Erfolg des Songs zu erklären. Es lässt sich also darüber hinaus vermuten, dass sich im Lied auch der Wunsch ausdrückt, dass es so schön sein solle, wie das Ideal verheißt.

Im Roman wird auf einen weiteren Song verwiesen, mit dem sich dies veranschaulichen lässt, nämlich Doris Days „Que sera, sera (Whatever will be, will be)“. Die Freunde sind gerade dabei, Plätzchen zu backen, als Höppner in eine Art Tagtraum versinkt. Im Roman heißt es: „Cäcilia legte Orangenschalen auf die Ofenplatte. Ich machte die Augen zu. Vom Ofen strahlte die Wärme rüber. Die Wärme roch ganz fruchtig. Die anderen murmelten durcheinander. Der Geruch. Die Stimmen. Die Wärme. Die anderen gaben Acht auf mich. Ich hatte die Augen geschlossen. Ich sah es ganz deutlich: Die Küchentür ging auf. Da stand Doris Day in einem grünen Kostüm. ‚Einen wunderschönen guten Abend, ihr Lieben!‘, flötete sie und stellte eine prall gefüllte Packpapiertüte neben den Kühlschrank. Sie lächelte. Keck. Sie nahm Harry die leere Weinflasche aus der Hand und fing an, den Plätzchenteig auszurollen. Dabei sang sie leise: ‚Whatever will be, will be.‘“

Das Gemeinsame dessen, was Doris Days Lied und auch der Song „Our House“ textlich und musikalisch präsentieren, ist das Bedürfnis und der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit, nach einem Zuhause. Dies ist offensichtlich etwas, wonach sich auch die Figuren im Roman sehnen, was sie versuchen, in ihrem Alltag selbst zu gestalten. Somit lässt sich der Song „Our House“ nicht allein darauf reduzieren, dass er ein verklärtes Ideal der Lächerlichkeit preisgibt. Das Lied gibt uns vielmehr eine Ambivalenz an die Hand, ein schillerndes Changieren zwischen Realität und Idealvorstellung.

Das gilt auch für den Song „Birth, School, Work, Death“ , der ebenfalls etwas über den Roman, die Figuren und die Handlung in Erfahrung bringen.

Der Song wurde der Band The Godfathers geschrieben, die 1985 in London gegründet wurden und nach einer etwas längeren Trennung ebenfalls heute noch aktiv sind. „Birth, School, Work, Death“4 ist der Titelsong des zweiten Albums der Band, womit sie jedoch nur bedingt erfolgreich waren, wesentlich deshalb, weil sie mit ihrem gitarrenlastigen Sound nicht in den dominierenden Musikgeschmack der späten 80er Jahre passten.

Der Song gibt uns zunächst einen genaueren Aufschluss darüber, wann die Handlung des Romans spielt: Er wurde im Jahre 1988 als Single veröffentlicht und ist der jüngste im Roman erwähnte Song. Im Buch wird er noch vor der Silvesterparty im „Auerhaus“ erwähnt. Des Weiteren heißt es im Roman, dass die Berliner Mauer noch steht. All diese Eckdaten zusammengenommen, lässt sich schließen, dass die Handlung des Romans in den Jahren 1988 und 1989 spielt.

Jedoch lässt sich dem Lied auch darüber hinaus eine kommentierende Funktion ablesen. Schon allein der Titel präsentiert eine Art Normal- oder Normbiographie, die total auf einzelne Eckdaten reduziert ist und die alles Geschehen zwischen diesen „Durchgangsstationen“ Geburt, Schule, Arbeit und Tod irrelevant erscheinen lässt. Eine derart reduzierte Biographie trifft somit genau das nicht, worum es im Leben eigentlich geht, was es auszeichnet und lebenswert macht.

Im Roman wird der Song an der Stelle erwähnt, als Frieder zum ersten Mal nach seinem Suizidversuch wieder in die Schule kommt, also einem Ereignis, dass sich der Einordnung in eine solche Normal- oder Normbiographie gänzlich entzieht. Während Frieder von den Lehrern nun ganz anders behandelt wird, geht für die anderen Schüler jedoch alles weiter wie immer, wie es im Roman heißt. „Hätte man sie vor einer Klausur gefragt: ‚Wozu lebst du eigentlich?‘, hätten sie geantwortet: ‚Das kommt nicht dran, das müssen wir nicht wissen.‘ Sie waren auf der Oberschule zuhause. Sie verpuppten sich, machten Abi und studierten, und wenn der Kokon platzte, sahen sie aus wie ihre Eltern. Sie übernahmen die Praxis, die Kanzlei, das Ingenieurbüro. Sie erbten von ihren Eltern das Abitur und das Leben.“

Im Liedtext  von „Birth, School, Work, Death“5 gibt es keine solche sichere Welt. Hier ist sie dagegen unheimlich, ohne Hoffnung und Zuversicht, voll desillusionierender Härte. „There's nothing in this world for me“ und „I'll live and die don't ask me why” heißt es dort ebenso wie „I cut myself but I don't bleed / 'Cause I don't get what I need / Doesn't matter what I say / Tomorrow's still another day”. Ohne Möglichkeit, diesem tristen Lebensvollzug zu entkommen, findet sich das lyrische Ich des Liedtextes schlichtweg als Spielball äußerer Mächte wieder: „Been turned around till I'm upside down“ oder „I've kissed Margaret Thatcher's shoes“.

Wenigstens die rebellische Haltung des Songs und dessen rockige Musik lassen vermuten, dass es noch ein Wunsch, vielleicht auch den Versuch gibt, dagegen aufzubegehren – ein Versuch, der in Anbetracht der dystopischen Beschreibung der Welt im Song zum Scheitern verurteilt scheint. Und so entlässt uns auch dieses Lied mit einer Ambivalenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, die insbesondere Frieders Situation spiegelt. So sagt Höppner am Ende des Romans, als alle Figuren getrennte Wege gehen, über Frieder: „Er wollte anders sein. Er konnte nicht anders sein.“

1 Quelle: https://www.offiziellecharts.de/titel-details-942 (letzter Aufruf: 10.04.2017).

2 Der ganze Liedtext kann beispielsweise hier nachgelesen werden: http://www.madness.co.uk/songs/our-house/ (letzter Aufruf: 12.04.2017).

3 Unter folgendem Link kann das Musikvideo gesehen werden: https://youtu.be/rXuvdeEC5y8 (letzter Aufruf: 10.04.2017).

4 Das Musikvideo zum Song kann hier gesehen werden: https://youtu.be/QO5dcW0P75M (letzter Aufruf: 12.04.2017).

5 Unter folgendem Link kann der komplette Songtext eingesehen werden: http://www.songtexte.com/songtext/the-godfathers/birth-school-work-death-2bffb462.html (letzter Aufruf: 12.04.2017).

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theaterpädagogisches Material
Auerhaus.pdf

Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt

Besuchszeit vorbei

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Repertoirekarte
GENERATOR - 22.11.2016.pdf

BOING!

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BOING - 22.11.2016.pdf

Bye Bye Universe

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GENERATOR - 22.11.2016.pdf

Cherryman jagt Mr. White

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DEATH IS CERTAIN 22.11.2016.pdf

Death is certain

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DEATH IS CERTAIN 22.11.2016.pdf

Deportation Cast

Vorwort

Zur Inszenierung

„Wir sind feige. Genauso feige wie alle. Natürlich hat mein Sohn Recht. Das ist ja das Schlimme. Wenn wir uns das wirklich eingestehen, dann können wir einpacken. Dann müssen wir sofort aufhören mit unseren blöden Jobs und unseren öligen Ausreden. Dann müssen wir auf die Straße gehen. Dann müssen wir etwas ändern in diesem Land.“

Im Jahr 2016 wurde 25375 Menschen aus der Bundesrepublik abgeschoben. Fast dreiviertel von ihnen wurden in die Länder des Westbalkan überführt: nach Albanien, Kosovo, Mazedonien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Die meisten hatten zuvor schon einige Zeit – manche bis zu 20 Jahre –  in Deutschland gelebt. Das 2012 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichneten Stück „Deportation Cast“ greift ein Thema auf, das  fünf Jahre nach dem  Entstehen des Textes ins Zentrum des gesellschaftlichen Diskurses gerückt ist. Björn Bicker beschreibt die Abschiebepraxis aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und macht in diesem vielschichtigen Gesellschaftspanorama die Einzelschicksale hinter der bürokratischen Routine sichtbar. Die Abschiebung einer Roma-Familien wirkt hier über die persönliche Tragödie hinaus tief in die Gesellschaft – eine Gesellschaft, die in grundsätzlichen Fragen wortwörtlich an ihre Grenzen stößt. Und sie legt ein System offen, in dem jeder seine Rolle spielt, sein Bestes tut, aber keiner persönlich Verantwortung übernimmt.

 

Video

Interview mit Kalma Streun
Deportation Cast theaterpädagogisches Material

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung
  • Welche Dinge sind auf der Bühne? Woran erinnern Euch diese Dinge?
  • Wofür stehen die Metallkästen?
  • Welche Figuren werden durch Objekte dargestellt? Warum wurden gerade diese Objekte für die jeweilige Figur ausgewählt?
  • Welche der folgenden Figuren war Euch am sympathischsten: Arzt, Anwalt, Sachbearbeiterin, Beobachterin? Warum?

Übung für Kleingruppen / Familien

Drei Minuten Fragment

Schreibt 3 Minuten lang über Eure Eindrücke auf zu „Deportation Cast“ ohne den Stift abzusetzen. Dabei muss kein zusammenhängender Text entstehen, Ihr könnt Assoziationen oder Erinnerungsbruchteile aneinanderreihen. Sucht aus Eurem Fragment Euren liebsten Satz aus und stellt ihn den anderen vor.

Welche Eindrücke waren am stärksten?

Pro-/Contra-Linie

Welcher der folgenden Positionen könnt Ihr am ehesten nachvollziehen? Welche könnt Ihr gar nicht nachvollziehen?

  • Ich habe die Gesetze nicht erfunden, ich wende sie nur an. (Sachbearbeiterin)
  • Das ist mein Job, wir leben doch nicht in einer Diktatur, das ist doch alles rechtens. (Pilot)
  • Irgendwelche Träume von der Veränderung habe ich mir abgeschminkt. (Beobachterin)
  • An den Gesetzen ändern wir nichts. Aber wir können darauf achten, dass die Leute gut behandelt werden. (Beobachterin)
  • Das ändert schon was, wenn die Leute wissen, dass da jemand zuschaut. (Beobachterin)

 

Übung für Großgruppen / Klassen

Einen Schritt nach vorn

Art

Nachbereitung des Theaterbesuchs

Dauer

45 Minuten

Anforderungen

leerer Raum, Figurenkärtchen, Vorkenntnisse über Inhalt und Figuren

Ziel

eigene Position/Privilegien reflektieren & räumlich veranschaulichen

 

Die Übung „Einen Schritt nach vorn“ wird häufig im Kontext von Antidiskriminierungsworkshops angewendet und wurde für die Inszenierung adaptiert. Sie dient dazu, Privilegien und Machtverhältnisse sichtbar zu machen, um sie reflektieren und wahrnehmen zu können.

Die SchülerInnen erstellen mit Hilfe der Vorlage zunächst Figurenkarten, auf denen sie die Beschreibungen eintragen. Dazu finden sich die SchülerInnen in Paaren zusammen, tragen ihre Erinnerungen aus der Inszenierung und ihr Wissen über die Figur zusammen. Im Klassenverband füllen sie die Figurenkärtchen aus und ergänzen die gefundenen Informationen und Mutmaßungen.

Die Karten werden durchmischt, neu verteilt und von den SchülerInnen geheim gehalten. Im Anschluss stellen sich alle in einer Linie auf. Die Lehrenden formulieren nun die Fragen an die Figuren (siehe Fragensatz). Können die SchülerInnen eine Frage für ihre Figur mit Ja beantworten, gehen sie einen Schritt nach vorn, können sie das nicht, bleiben sie an Ort und Stelle. Nach dieser Phase ist es möglich, Vermutungen darüber anzustellen, wer welche Figur hat und warum.

Abschließend diskutieren Sie im Klassenverband das entstandene Schaubild. Welche Figuren sind warum weit vorn gelandet, welche weiter hinten? Wie fühlt es sich an, vorn zu sein, wie, nicht voranzukommen? Wiederholen Sie die Übung, indem die SchülerInnen die Fragen für sich selbst beantworten. Inwiefern unterscheiden sich die beiden Runden voneinander?

 

Figuren:

Der Pilot, Vater von Bruno

Bruno, Sohn des Piloten

Verena, die Freundin des Piloten

Die Sachbearbeiterin

Die Beobachterin

Der Anwalt

Der Arzt

Lehrerin von Bruno

Egzon

Elvira

Elviras Mutter

Elviras Vater

 


Fragensatz:

Quelle: http://kompass.humanrights.ch/cms/upload/pdf/ch/ue_15_schrittnachvorn.pdf

 

Sie haben nie in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten gesteckt.

Sie leben in einem Haus mit Telefon und Fernsehen.

Sie haben das Gefühl, dass Ihre Sprache, Religion und Kultur in der Gesellschaft, in der Sie leben, respektiert werden.

Sie haben das Gefühl, dass Ihre Meinung über soziale und politische Fragen eine Rolle spielt und dass man Ihnen zuhört.

Andere Menschen holen zu verschiedenen Problemen Ihren Rat ein.

Sie haben keine Angst, in eine Polizeikontrolle zu geraten.

Sie wissen, wohin Sie sich wenden können, wenn Sie Rat und Hilfe brauchen.

Sie hatten nie das Gefühl, dass Sie aufgrund Ihrer Herkunft diskriminiert werden.

Ihre sozialen und medizinischen Bedürfnisse werden ausreichend abgedeckt.

Sie können ein Mal im Jahr verreisen und Urlaub machen.

Sie können Freunde und Freundinnen nach Hause zum Essen einladen.

Sie haben ein interessantes Leben und sind zuversichtlich, was Ihre Zukunft betrifft.

Sie haben das Gefühl, Sie können studieren und Ihren Wunschberuf ergreifen.

Sie haben keine Angst, auf der Straße oder in den Medien belästigt oder angegriffen zu werden.

Sie können bei nationalen und kommunalen Wahlen Ihre Stimme abgeben.

Sie können die wichtigsten religiösen Feste mit Ihren Verwandten, Freunden und Freundinnen feiern.

Sie können an einem internationalen Seminar im Ausland teilnehmen.

Sie können mindestens ein Mal pro Woche ins Kino oder ins Theater gehen.

Sie haben keine Angst um die Zukunft Ihrer Kinder.

Sie können mindestens alle drei Monate einmal neue Sachen zum Anziehen kaufen.

Sie können sich verlieben, in wen Sie wollen.

Sie haben das Gefühl, dass Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten in der Gesellschaft, in der Sie leben, Anerkennung finden.

Sie können ein Bankdarlehen bekommen, um sich einen Lebenstraum zu verwirklichen.

Sie können Ihr Leben 5 Jahre im Voraus planen.

Sie können spontan verreisen.

Sie können an einer Hochschule studieren.

Sie können den Wohnort frei wählen.

Grundlagentext

Roma im Kosovo

Abgeschobene Roma sind im Kosovo mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Aufgrund oftmals fehlender Dokumente können sie nur sehr kompliziert Sozialleistungen beantragen, die Kinder werden unzureichend schulisch ausgebildet und die Krankenversorgung ist mangelhaft und sehr kostenintensiv. Viele Romafamilien leben in Hausruinen, weil ihre ursprünglichen Häuser zerstört oder enteignet wurden. Im Kosovo mit einer hohen Arbeitslosenquote haben Minderheiten wie Roma nahezu keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Man geht von einer Arbeitslosenquote von 95% aus. Auch darüber hinaus sind Roma vielfältigen Diskriminierungen und Rassismus ausgesetzt.

Einen Einblick in den Alltag von abgeschobenen Roma imWestbalkan vermittelt der Auszug aus einem Interview mit Stip, einem Mann, der nach Mazedonien abgeschoben wurde, während seine Frau und drei Töchter in Hamburg geblieben sind.

 

ŠTIP. Wir trafen Ihre Frau und Ihre Töchter in Hamburg und Sie jetzt hier. Wie geht es Ihnen nach Ihrer Abschiebung?

Ich kann nicht ausreisen und soll mich bei der Polizei melden. Das ist eine Katastrophe, das macht mir Angst: Warum soll ich mich melden? Weil ich ausgereist bin? Weil ich irgendwo im Urlaub war? Ich sag es offen: Ich habe Asyl beantragt in Deutschland. Aber wie  auch nicht? Wenn ich hier was hätte, warum sollte ich dann in ein fremdes Land gehen? Warum sollte ich mit meinen Kindern auf der Flucht sein? Wenn dein Leben gut ist, wirst du niemals dein Zuhause, deine Heimat verlassen. Das ist das Eine. Und das Andere: Ich kann mit euch rausgehen, in ein Restaurant zum Beispiel. Wir setzen uns hin und dann schaut euch diese Blicke von den Leuten an: Es ist offen, es ist öffentlich. Euch werden sie sagen: ›Hier, bitte schön‹. Uns bestimmt nicht. Wenn wir hier herum laufen, unten in der Stadt, dann werden wir innerhalb einer Stunde kontrolliert. 100 Prozent.

 

Warum?

Nur wegen unserer Haut, also weil wir Roma sind. Was soll ich denn machen, ich bin in diese Familie geboren, ich kann nichts dafür. Ich bin ehrlich gesagt stolz, dass ich Roma bin. Wir haben nur nicht genug zum Leben.

 

Können Sie Ihre Familie in Deutschland besuchen?

Das klappt nicht. Wenn ich es an der Grenze probiere, schickt mich der Beamte zurück. Nach der Abschiebung wird uns der Pass für ein Jahr abgenommen. Sie sagen, sie haben ein Abkommen gemacht, mit deutschen Behörden, mit den Politikern, wegen Europa, und dass sie uns nicht nach Deutschland lassen. 

 

 

Haben Sie Arbeit?

Nein. Ich bin vor Armut weggelaufen und vor Blutrache – wir haben Blutrache hier. Mein Bruder hat die Sache gemacht, er ist vor zwei Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden.  Ich bin abgehauen mit meinen Kindern, seine Frau ist weg gewesen. Es ist passiert, das kann man nicht rückgängig machen. Er wollte bestimmt auch nicht acht Jahre hinter Gittern bleiben. Aber es ist passiert.

 

Wenn Ihre Töchter hierher abgeschoben würden, was würde sie erwarten?

Ich zeige euch gleich, was ich denke, wo wir leben würden. Ich bin ja zurzeit nicht mit meiner Frau zusammen. Hierher zum Vater meiner Frau komme ich normalerweise nicht. Aber für meine Kinder tue ich das – wir haben die zusammen gezeugt, wir werden die auch zusammen aufziehen. Egal wie. Wenn die essen wollen, muss ich denen was geben. Ich frag mich jede Nacht: Was sollte ich denen geben?

 

Könnten Ihre Kinder hier zur Schule gehen?

Ja, aber wie, wenn ich ihnen keine Schuhe kaufen kann? Dann sagen sie: ›Iih, die Zigeunerkinder haben nichts zum Anziehen. Kommen dreckig.‹ Wie soll ich Waschpulver kaufen, wenn ich nichts zu essen habe? Wie soll ich Klamotten kaufen, wenn ich ihnen noch nicht mal zehn Dinar für das Essen in der Schule geben kann? Mittags gibt es eine kleine Mahlzeit in der Schule, die muss man bezahlen, 10 Euro im Monat. Die Kinder kriegen kein Kindergeld, hier ist alles in der Sozialhilfe eingeschlossen.

 

Sie haben kein Haus?

Nein. Ich habe mein Zimmer verkauft für die Reise. Meine Frau ist damals mit zwei Töchtern gefahren, jetzt haben wir vier. Man hat sie für 1.100 Euro von hier bis nach Hamburg gebracht. Obwohl es mit dem Bus 120 Euro kostet.

 

Wie viele Roma leben hier?

Es sind 850 Familien.

 

Und wie viele Roma arbeiten hier?

Zwei bis drei Prozent. Für behinderte Kinder und so, für die gibt es Hilfe von Europa. Die haben ein Budget vom SOS-Kinderdorf gekriegt, damit die Kinder sich weiterentwickeln, dass sie mit Arbeit lernen, mit ihren Händen umzugehen – für die gibt es Arbeit.

Ich bin ein sechs Sprachen mächtiger Mann, warum darf ich nicht arbeiten? Sechs Sprachen spreche ich, alle so wie deutsch. Ich hab die Schule nicht gemacht, aber daran bin ich doch nicht schuld. Meine Eltern hatten nichts. Ich kann ihnen nicht die Schuld geben, das sehe ich jetzt auch an mir. Meine Tochter will in die Schule gehen, die Lehrerin will sie auch haben, sie sagt, meine Tochter ist gut in der Schule. Sie will lernen. Aber sie soll hierher kommen. Aber wie soll sie hier lernen? Wir sammeln Flaschen. Zehn Dinar, das sind sechs Cent pro Kilo.


Das komplette Interview findet sich in der Broschüre „Abgeschobene Roma in Mazedonien- Journalistische, juristische und medizinische Recherche“ unter: www.alle-bleiben.info/wp-content/uploads/2015/10/ Mazedonien_Bericht_20 15_web.pdf

 

 

 

theaterpädagogisches Material - Druckversion
Deportation cast.pdf

Der Junge mit dem Koffer

Vorwort

Liebe PädagogInnen, liebe Eltern,

zu den Begriffen, die wir in den letzten Jahren neu in unseren Sprachschatz aufgenommen haben, gehört eventuell auch die Abkürzung „UMF“, die für „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ steht. Einen solchen machte der britische Kindertheater-Dramatiker schon 2004 zum Protagonisten seines Stücks „Der Junge mit dem Koffer“, das nun aus gegebenem Anlass wieder häufig auf den Spielplänen deutscher Kinder- und Jugendtheater zu finden ist.

Die Geschichte des Jungen Naz, der allein seine Heimat verlassen und sich zu seinem Bruder im fernen London durchschlagen muss, könnte sich vor vielen Jahren abgespielt haben – oder gerade gestern. Regisseur Nis Søgaard trägt dieser Überzeitlichkeit Rechnung, indem er in seiner Inszenierung am tjg. Naz nicht durch einen einzigen Darsteller oder eine Puppe verkörpern lässt, sondern drei Erzähler einsetzt, die die Geschichte des Jungen in sich tragen. Durch chorisches Sprechen, Puppen- und Objekttheater beschwören sie die Erinnerung an eine abenteuerliche Reise hervor, auf der Naz Gefahren, Ausbeutung und Phasen der Stagnation erlebt. Aber ihm widerfahren auch Hilfsbereitschaft, Freundschaft und glückliche Wendungen, die ihn in der Hoffnung bestärken, seinen Eltern eines Tages eine Postkarte aus London schreiben zu können: „Hier bin ich. Ich habe es auf die andere Seite dieser Erde geschafft.“

Die musikalische Begleitung der Inszenierung übernimmt Ezekiel Nikiema, der zum Studium aus Burkina Faso nach Deutschland kam und nun als vielseitiger Instrumentalist unter anderem in der Dresdner Formation „Banda Internationale“ aktiv ist.

Einen anregenden Theaterbesuch wünschen

Kathi Loch (Dramaturgin) & Theresa Heinze (Theaterpädagogin)

 

Video

Regisseur Nis Søgaard im Gespräch
Der Junge mit dem Koffer theaterpädagogisches Begleitmaterial

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung für die Nachbereitung de
  • Naz erzählt von seinen sieben „Reisen“. Was ist mit „Reise“ gemeint und wem begegnet er?
  • Von wie vielen Personen wird die Figur Naz gespielt? Woran erkennst Du, wer gerade Naz ist? Was erzählt Dir der Rollenwechsel? 
  • Worin verwandeln sich der Kleiderhaufen und die einzelnen Kleidungsstücke während der Inszenierung? Wofür stehen die Kleider? Wofür werden sie verwendet? An welche aktuellen Bilder hat Dich der Kleiderhaufen erinnert?
  • Welche Geschichten erzählt Naz während seiner Reise? Warum sind ihm die Geschichten so wichtig?
    Hast Du einen Koffer auf der Bühne gesehen?

Übung für Kleingruppen / Familien

Heimat-Rundgang

Nehmt Euch Zeit und geht in Ruhe durch Eure Wohnung. Sucht Euch jeweils fünf Gegenstände aus, die Ihr mit „Heimat“ verbindet und stellt sie Euch in einer gemeinsamen Runde am Tisch vor. 

Beschreibt, warum Ihr sie gewählt habt, in welchem Raum sich die Gegenstände befunden haben und warum sie euch mit eurer Heimat verbinden.

Weitere Fragen, die genutzt werden können:

  • Was ist für Dich Heimat?
  • Woraus besteht (Deine) Heimat?
  • Welchen Geruch verbindest Du mit (Deiner) Heimat? Warum?
  • Welche Farbe verbindest Du mit (Deiner) Heimat? Warum?
  • Was ist für Dich nicht Heimat?
  • Welchen Ort/Gegenstand/Menschen würdest Du mitnehmen, wenn Du Deine Heimat verlassen würdest?
  • Was würdest Du am meisten vermissen?

Übung für Großgruppen / Klassen

Heimat-Ausstellung

Art Nachbereitung des Theaterbesuchs
Dauer 45 Minuten
Anforderungen keine
Ziel Abstraktionen 

 

„Wie riecht Heimat?“
„Wie fühlt sich Heimat an?“
„Wie schmeckt Heimat?“
„Wie sieht Heimat aus?“

Alle SchülerInnen bringen unterschiedliche Objekte und Dinge mit, ausgewählt anhand der obengenannten Fragen. Der Begriff Heimat soll assoziativ und lustvoll mit allen Sinnen wahrgenommen werden.
Nachdem alle Objekte vorgestellt wurden, konzipieren die SchülerInnen gemeinsam eine Heimat-Ausstellung, beispielsweise im Klassenzimmer oder im Flur der Schule.

Laden Sie Parallelklassen dazu ein, die Heimatausstellung zu erkunden und mit den „Heimat-ExpertInnen“ ins Gespräch zu kommen. 
Nach welchen Kriterien wurde die Ausstellung konzipiert? Gibt es Gemeinsamkeiten und wie wurde mit Gegensätzen umgegangen? 

 

Geschichten erfinden

Art Nachbereitung
Dauer 30 Minuten
Anforderungen keine
Ziel gemeinsam Erzählen, Geschichten erfinden, Kreativität entwickeln 

 
Bilden Sie im Klassenverband Kleingruppen aus fünf bis sieben SchülerInnen. Lassen Sie jede Gruppe einen Satz aus der Stückvorlage „Der Junge mit dem Koffer“ nach Belieben auswählen. Die Aufgabe der Gruppe ist es, nun ausgehend von diesem Satz gemeinsam eine Geschichte zu erfinden.

Nachdem die SchülerInnen ihre Geschichte gefunden haben, soll in einem zweiten Schritt festgelegt werden, wer welchen Erzählanteil bekommt und wie sich der Erzähler visuell kenntlich machen kann. Beispielsweise wird in der Inszenierung „Der Junge mit dem Koffer“ ein Kleidungstück verwendet, um Naz kenntlich zu machen. Welche Hilfsmittel / Requisiten / Accessoires könnten genutzt und wie kann ein solches Hilfsmittel beim Erzählen unterschiedlich verwendet werden?

Ihr wählt ein Kleidungsstück aus, das Ihr untereinander weitergebt bzw. in das Ihr hineinschlüpft. Jeder, der das Kleidungstück in der Hand hält oder trägt, ist dran und erzählt einen Teil Eurer gemeinsamen Geschichte.
Wichtig ist, dass Ihr diese Geschichte gemeinsam erzählt und immer Bezug nehmt auf das, was bisher zusammengetragen wurde.

  •  „So saßen wir da und schauten auf das Meer.“
  • „Wann hast du das letzte Mal eine Postkarte nach Hause geschickt?“
  • „Jetzt bist du ein Reisender.“
  • „Es erinnert mich genau jetzt an eine Geschichte.“ 
  • „Du hast es auf die andere Seite der Erde geschafft.“

Links

Vertiefende Texte

Überblick zur Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchlingen auf der Homepage der Diakonie Deutschland: http://bit.ly/2jexcla

 

Bericht der Unicef zur Lage von geflüchteten Kindern weltweit (in englischer Sprache):
http://uni.cf/2fFwKvd

 

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Der kleine Angsthase

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DER KLEINE ANGSTHASE - 22.11.2016.pdf

Der Mondmann

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DER MONDMANN - 22.11.2016.pdf

Die rote Zora

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Ein Märchen

Vorwort

Liebe PädagogInnen,

das Bilderbuch „Ein Märchen“ des französischen Illustrators und Autors Blexbolex ist eine Geschichte, in der alle Zutaten versammelt sind, die ein Märchen ausmachen: Figuren wie die Räuber, die Hexe, der Kobold und sogar ein Drache, Handlungselemente wie die Entführung, die Verwünschung, die Rettung und die Liebesgeschichte zwischen der Königin und dem geheimnisvollen Fremden. Es sind aber nicht nur die altbekannten Motive, die die Faszination von „Ein Märchen“ ausmachen: Der Geschichte liegt die Struktur des Kreisliedes zugrunde, sie ist gleichzeitig Erzählung und Erzählspiel.

Genau wie in der Buchvorlage geben auch in Nils Zapfes Inszenierung die SchauspielerInnen in jeder neuen Spielrunde Begriff um Begriff dazu – ähnlich dem beliebten „Ich packe meinen Koffer...“ –, und verändern damit die Handlung bzw. lösen immer neue, abenteuerliche Wendungen aus. „Ein Märchen“ bringt somit die Lust am Fantasieren und Fabulieren ganz unmittelbar mit auf die Bühne.

 

Kathi Loch (Dramaturgin)& Julia Kuzminska (Theaterpädagogin)

 

Video

Nils Zapfe im Gespräch
Märchen Begleitmaterial

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung für die Nachbereitung

Zur Vorbereitung:

  • Welche Märchen kennt Ihr?
  • Welche Figuren kommen häufig in Märchen vor?
  • Welche Orte kommen häufig in Märchen vor?
  • Welche Gegenstände kommen häufig in Märchen vor?
  • Was passiert in vielen Märchen?

 

Zur Nachbereitung:

  • An welche Figuren erinnert Ihr Euch? Wie sahen sie aus? Was ist ihnen widerfahren?
  • Welche Orte kamen vor? Welchen Klang hatten die Orte?
  • Welche Sachen waren auf der Bühne? Wie sahen sie aus?
  • Was fehlt in der Geschichte?
  • Was ist Dein Lieblingsmärchen?
  • Welche Märchenfigur wärst Du gerne? Warum?

 

Übung für Kleingruppen / Familien

MEIN Märchen

Sucht 20 alltägliche Dinge bei Euch zu Hause, packt sie auf den Küchentisch und erzählt Eure Lieblingsmärchen damit! Salz- und Pfefferstreuer geben ein prima Königspaar her, die Käsereibe einen Soldaten und die Küchenschere kann tanzen wie eine Fee.

Zufrieden? Nehmt Eure Geschichte auf Video auf und schickt sie uns! Wir posten die besten Ergebnisse auf unserer Facebookseite!

Inspiriert von Forced Entertainment, Table Top:
https://www.youtube.com/watch?v=QXt_CJ7tRno
https://www.youtube.com/watch?v=JU4aXQI4ViI

Übung für Großgruppen / Klassen

Märchenbausatz

Material ~ drei Kärtchen für jedes Kind, ein Gefäß für die Kärtchen
Ziel ~ Geschichten gemeinsam erfinden

Nach einer Nachbesprechung der Inszenierung mit Hilfe der Beobachtungsfragen bietet es sich an, mit den Kindern selbst Geschichten zu erfinden. Tragen Sie zunächst zusammen, welche Figuren unbedingt in einem Märchen vorkommen müssen. Jedes Kind malt seine Figur auf ein Kärtchen. Welche Orte und Dinge kommen in Märchen vor? Auch diese werden von den Kindern auf jeweils ein Kärtchen gemalt. Die Kärtchen bilden den Märchenbausatz und werden in einen Topf geworfen (ggf. Karten beschriften, um sie wiederzuerkennen). Nacheinander nimmt jedes Kind ein Kärtchen aus dem Märchenbausatz und beginnt damit eine Geschichte zu erfinden und weiter zu erzählen. Die Spielleitung moderiert die Geschichte (Was passiert dann?) und fasst sie immer wieder und insbesondere am Schluss für die Kinder zusammen.

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MÄRCHEN - 22.11.2016.pdf

fuchs & freund

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FUCHS UND FREUND - 22.11.2016.pdf

Funkeldunkel Lichtgedicht

I will be famous

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I WILL BE FAMOUS - 22.11.2016.pdf

Klassiker, sämtliche

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KLASSIKER, SÄMTLICHE - 22.11.2016.pdf

Krabat

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KRABAT - 22.11.2016.pdf

Magic Schaltwarte

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Repertoirekarte & Programmheft
GENERATOR - 22.11.2016.pdf
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On tradition: the young generation

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Repertoirekarte & Programmheft
GENERATOR - 22.11.2016.pdf
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Rübe

Vorwort

Liebe PädagogInnen, liebe Eltern,

das russische Volksmärchen „Das Rübchen“ ist wie kaum ein anderer Stoff mit der Geschichte des tjg. theater junge generationverbunden. Es wurde in zwei Inszenierungen 1971 und 1984 auf die Bühne gebracht, die vielen heutigen Eltern bzw. Großeltern, ErzieherInnen und LehrerInnen eindrücklich in Erinnerung geblieben sind. Deshalb waren auch einige von ihnen erstaunt darüber, dass die aktuelle Inszenierung „Rübe“ erst  für Kinder ab acht Jahre empfohlen wird. Denn die Struktur des russischen Märchens ist einfach: Ein Großvater pflanzt eine Rübe, die nicht aufhört zu wachsen. Schließlich braucht es eine ganze Familie samt Hund und Maus, um sie aus der Erde zu ziehen. Es bedarf also der Mitwirkung jedes Einzelnen, um die große Aufgabe zu bewältigen. In seiner aktuellen Bearbeitung des Märchens greift der renommierte Autor Ulrich Hub zwar das Grundmotiv der beständig wachsenden Rübe auf, setzt aber ganz neue Schwerpunkte. In seinem Stück sind sich – anders als im russischen Märchen – die Figuren keineswegs einig darüber, was mit der Rübe geschehen soll. Statt Solidarität entsteht erst einmal Konkurrenz und Streit. Hub erzählt davon, welche Mechanismen in einer Gruppe wirken, wenn jeder sich durchsetzen will, und wirft dabei zahlreiche Fragen auf, denen Kinder in ihrem Lebensalltag ständig begegnen, über die sie sich Gedanken machen und mit denen sie sich auseinandersetzen müssen: Wie kann ich Andere von meiner Meinung überzeugen? Ist das, was ich denke, auch gut für die Gruppe? Setzt immer der/die Stärkere seine/ihre Interessen durch? Kann Gewalt Konflikte lösen? Wer hält zu mir? Muss man teilen oder darf man auch alles für sich beanspruchen? All diese Fragen und Konflikte werden von den Figuren in der Inszenierung lautstark diskutiert und vehement ausgetragen. Auch die Hierarchien in der Gruppe verändern sich rasant: Wer eben noch den Ton angegeben hat, wird  im nächsten Augenblick kaum noch beachtet. Kinder ab acht Jahren kennen das aus der Schule und der Familie. Sie verstehen schnell, dass ihnen auf der Bühnen nicht psychologischen Figuren begegnen, sondern diese parabelhaft für bestimmte Typen und Mechanismen stehen. Und sie haben Vergnügen daran, den Gedanken und Argumenten, den Tricks und Gemeinheiten der Figuren zu folgen.

Die Inszenierung „Rübe“ ist für Kinder genau wie für Erwachsenen eine Einladung auf ein rasantes Gedankenkarrussel. Und am Ende erleben wir, dass es sich trotz Unstimmigkeit und Streit lohnt, nach Lösungen zu suchen - denn zusammen ist man eben weniger allein.

 

Ulrike Leßmann (Dramaturgin) & Anke Engler (Theaterpädagogin)

 

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung für die Nachbereitung de
  • Den Figuren auf der Bühne lassen sich bewusst keine eindeutige Rollen zuordnen: Wie würdet Ihr die Akteure beschreiben und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander?
  • Welche Bedeutung hat die Rübe und was denkt Ihr: Wem gehört die Rübe?
  • An welche Kostüme erinnert Ihr Euch? Gab es ein besonders wichtiges Kostümteil?
  • Im Laufe der Inszenierung steigert sich die Anspannung zwischen den Agierenden und rund um die Rübe. Mit welchen Theatermitteln wird auf der Bühne Spannung erzeugt?

Übung für Großgruppen / Klassen

Das Schokoladen-Experiment

Art Übung zur Vorbereitung
Dauer ca. 45 Minuten
Anforderungen eine Tafel Schokolade
Ziel Besitzansprüche reflektieren


Die Inszenierung verhandelt anhand einer Rübe parabelhaft Fragen rund um Besitzanspruch, Macht und Zuschreibungen in einer Gruppe. In Vorbereitung auf einen Theaterbesuch ist es deshalb interessant auszuprobieren, wie in der Klasse selbst Entscheidungen verhandelt und getroffen werden. Im folgenden Experiment lässt sich eine Entscheidungsfindung spielerisch lustvoll simulieren und besprechen.

Schenken Sie den SchülerInnen eine Tafel Schokolade, die deutlich zu klein ist, als dass alle ein gleich großes Stück bekommen könnten. Geben Sie der Gruppe dann 10 Minuten Zeit, um ganz ohne erwachsene Moderation oder Intervention mit der Schokolade das zu tun, was die Kinder für richtig erachten. Geben Sie keine weiteren Regeln oder Beschränkungen mit in die Diskussion, sondern beobachten Sie, was passiert, wenn Sie die Schokolade einfach in die Mitte des Stuhlkreises legen.

Im Anschluss an die zehn Minuten wird dann über einige Fragen gesprochen, ohne dass einzelne Kinder für ihr Verhalten zurechtgewiesen werden. Es geht bei diesem Experiment um die Besprechung von Gruppenstrategien und Argumentationen.

Was hätte man mit der Schokolade grundsätzlich alles tun können?

Wie seid Ihr zu Eurer Entscheidung gekommen?

Welche verschiedenen Möglichkeiten habt Ihr in Betracht gezogen?

Wer ist mit dem Ergebnis zufrieden? Wer nicht?

Was hättet Ihr Euch gewünscht?

Wem gehört(e) die Schokolade?

Im Anschluss an den Vorstellungsbesuch kann später die eigene Erfahrung aus dem Experiment mit den Strategien und Lösungen der Figuren abgeglichen und besprochen werden.

 

Links

Rübenküche

In Ulrich Hubs „Rübe“ können sich die Figuren nicht einigen, was sie mit bzw. aus der Rübe machen wollen. Die SchauspielerInnen der Inszenierung müssen sich zum Glück nicht einig werden. Denn jedeR von ihnen, würde die Rübe anders nutzen. Hier eine Zusammenstellung ihrer Empfehlungen:

 

Ulrich Hub (Regisseur) mag Karottensuppe mit Ingwer. Besonders gerne isst er sie, wenn sie scharf ist. http://www.chefkoch.de/rezepte/1282011233576801/Feine-Ingwer-Moehren-Suppe.html

Gregor Wolf (Fitz) isst Rüben am liebsten als Steckrübeneintopf. http://www.kochbar.de/rezept/481302/Wrukeneintopf-nach-Uroma-Heedfeld.html

Judith Nebel (Pip) mochte schon als Kind Rübensirup auf ihrem Brot. Selber machen kann man den Sirup auch. http://www.kirchenweb.at/kochrezepte/einlegen/ruebensirup/zuckerruebensirup.htm

Babette Kuschel (Laska) isst Rüben am liebsten mit Nudeln. https://www.swissmilk.ch/de/rezepte/LM200303_37_b/rueebli-nudeln/

Susann Weiland (Jojo) liebt Kuchen. Deshalb empfiehlt sie, aus Rüben einen Rübenkuchen zu backen. http://meinleckeresleben.com/tag/rote-rueben-kuchen/

Carlotte Mednansky isst Rüben auch gerne süß. Sie backt aus ihnen Cupcakes. http://www.aentschiesblog.com/2012/10/mohren-cupcakes.html

Moritz Stephan (Egor) mag Rüben zwar sehr, kann aber keine essen, weil er eine Rübenallergie hat. Deshalb würde er aus einer Rübe eine Laterne schnitzen. http://www.familienleben.ch/freizeit/basteln/raebeliechtli-schnitzen-bastelanleitung-und-bildergalerie-1226

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Ulrich Hub im Gespräch
Rübe Begleitmaterial

Übung für Kleingruppen / Familien

„Wem gehört die Rübe?“

Das Gedankenkarussell der Inszenierung kreist um Recht und Anspruch, um Besitz und Ideen für die Zukunft in einer Gemeinschaft. Wem gehört die Rübe denn nun wirklich? Wessen Ideen sind am überzeugendsten und was wäre gut für die Gruppe, die Einzelnen und die Rübe?

Philosophieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind im Anschluss an den Theaterbesuch darüber, wer von den Figuren ihrer Meinung nach den größten Anspruch auf die Rübe und wer die klügste Idee hatte. Vergeben Sie dazu gemeinsam Punkte von 1-6 an die Figuren.

1 = das kleinste Recht über die Rübe zu bestimmen
7 = das größte Recht über die Rübe zu bestimmen

1 = die beste Idee
7 = die schlechteste Idee

 

Figur

 

Wer hat das Recht zu bestimmen?

(1-7)

 

Wer hat die

beste Idee?

(1-7)

 

 

Hier sind wir

uns nicht einig:

 

Pip

 

 

 

Gleb

 

 

 

Jojo

 

 

 

Fitz

 

 

 

Lou

 

 

 

Egor

 

 

 

Laska

 

 

 

 

Zum Weiterphilosophieren:

Wann wäre der beste Zeitpunkt gewesen, die Rübe zu ernten? Und lassen sich die Argumentationsstrategien der Figuren auf Ihre eigene Familie übertragen? Wer nimmt gern eine Position ein wie Fitz – oder wie Egor? Wer wären Sie vielleicht selbst in der Diskussion um die Rübe gewesen?

Grundlagentext

Folgende Texte empfehlen wir zur weiteren Lektüre

Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff

Vorwort

Zur Inszenierung

Für 70 Prozent aller Jugendlichen ist Strom aus erneuerbaren Energien wichtig, 59 Prozent aller Jugendlichen haben sich schon für den Klimaschutz persönlich engagiert, 92 Prozent aller Jugendlichen halten die Energiewende für richtig. Die Themen Umwelt, Umweltschutz und Nachhaltigkeit stehen weit oben auf der Agenda für Jugendliche. (vgl.: 17. Shell Jugendstudie, 2015)

So ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren verstärkt Romane zu diesem Komplex in den Buchläden zu finden sind. Eines dieser Bücher ist der 191-Seiten-starke Roman des amerikanischen Bestseller-Autors Louis Sachar („Löcher“). In „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ beschreibt der Autor einen selbstgemachten biologischen Super-GAU durch ein Forschungslabor und wie sich das alltägliche Leben von Tamaya, Chad, Monica und Marshall verändert, aber auch wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik mit diesem Problem umgehen und die Medien berichten.

In der Theaterfassung und der Inszenierung verdichtet Regisseur Ronny Jakubaschk das Personal des Romans auf vier junge SchauspielerInnen, die in die Rollen der Jugendlichen schlüpfen. Vier ältere Kolleginnen spielen mehrere Figuren und stehen somit den Jugendlichen in ihren Funktionen von Schulleiterinnen, Ärzten, Senatoren, Rechtsanwältinnen gegenüber. Die Inszenierung stellt Fragen nach dem Umgang mit biologischer Forschung, wirtschaftlichen Profiten, politischen Interessen und danach, wie der einzelne Mensch sich verhält, im speziellen Fall: Jugendliche gegenüber erwachsenen EntscheidungsträgerInnen.

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung für die Vor- und Nachber

Zur Vorbereitung

  • Was ist Zellteilung?
  • Was ist eine Mutation?
  • Welche (Umwelt-)gefährdenden Technologien kennt Ihr?
  • Sollte man Eurer Meinung nach daran weiterforschen oder diese lieber verbieten?
  • Was würdet Ihr tun, wenn Ihr einen Umweltskandal entdecken würdet?

 

Zur Nachbereitung

  • Welche Figuren gab es? Wie hießen sie? Welche Eigenschaften hatten sie?
  • Wie sah die Bühne aus?
  • Wie hat sie sich im Laufe der Inszenierung verändert?
  • Welches Farbkonzept konntet Ihr auf der Bühne erkennen?
  • Wie wurde der Wald dargestellt?
  • War es richtig, dass Tamaya alleine in den Wald gegangen ist?
  • Was hätte sie noch tun können?
  • Angenommen, Ihr könntet entscheiden, ob an „Biolen“ weitergeforscht werden soll, wie würdet Ihr entscheiden? Sammelt Pro- und Contra.

 

 

 

 

Übung für Kleingruppen / Familien

Schrottskulpturen, die Weltprobleme lösen

Art

Nachbereitung des Theaterbesuchs

Dauer

45 Minuten

Anforderungen

Aussortierte (Schrott-)Dinge, wie Spielzeug, Verpackungen, Elektrogeräte; eine Heißklebepistole

Ziel

Utopien für Weltprobleme entwickeln, in eine Skulptur verwandeln

Tauschen Sie sich darüber aus, welche großen Weltprobleme es gibt und sammeln Sie diese. Wie könnte die Lösung eines dieser Weltprobleme in Form einer Erfindung aussehen?

Sichten Sie die aussortierten Dinge und basteln Sie daraus mit Hilfe einer Heißklebepistole  eine Weltproblemlösungsschrottskulptur!

 Beispiele:  Weltkatastrophenbrille und Waffen-Vernichter

  

Übung für Großgruppen / Klassen

Ressourcenporträt

Art

Nachbereitung des Theaterbesuchs

Dauer

45 Minuten

Anforderungen

Smartphones mit Videofunktion

Ziel

über Ressourcen reflektieren, künstlerische Videominiaturen dafür finden

Stellen Sie Ihrer Klasse zunächst folgende Frage: Von welcher (Energie-) Ressource der Erde glaubt Ihr, dass sie weniger werden wird?

Stellen Sie den SchülerInnen folgende Aufgabe: Entscheidet Euch für eine dieser Ressourcen und versucht sie für ein „Archiv der verschwindenden Ressourcen“ filmisch für nachfolgende Generationen einzufangen.

Links

Vertiefungstexte

Das Nachhaltigkeitsbarometer 2015 von Greenpeace hat in seiner Studie Jugendliche zu ihren Meinungen, ihrem Engagement befragt. Hier in Kurzform die Ergebnisse des äußerst ausführlichen Katalogs:

bit.ly/tjgnachhaltigkeitsbarometer

 

Auch in der 17. Ausgabe der Shell Jugendstudie von 2015 ist das Thema „Umwelt und deren Schutz“ ein wichtiges Thema:

bit.ly/tjgshellstudie

 

„Jugendliche lieben es erschreckt zu werden.“  Der Autor Louis Sachar im Interview zu seinem Roman:

bit.ly/tjgsachar

Strumpfunterhosenhemdkrempelei

The Season

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THE SEASON - 22.11.2016.pdf

Beobachtungsfragen

Nutzen Sie folgende Fragen als Anregung für die Nachbereitung
  • Was verbindet Bär, Biber und Hase? Welche Charaktereigenschaften haben die unterschiedlichen Tiere und welche Rolle nehmen sie in der Freundesbande ein?
  • Tina spricht eine andere - uns fremde – Sprache. Trotzdem kann sie sich z.T. mit den Waldtieren verständigen. Habt auch Ihr einzelne Worte erkannt? Könnt Ihr sie übersetzen?
  • Wie würdet Ihr das Verhältnis zwischen Puppen und PuppenspielerInnen beschreiben?
  • Jedes Instrument des kleinen Orchesters hat in der Musik eine eigene Funktion. Welche Instrumente waren zu hören? Welche Klangfarbe und Atmosphäre verbindet Ihr mit den verschiedenen Instrumenten?

Übung für Großgruppen / Klassen

Sprachspiele

Verständigen Sie sich mit der Gruppe zu den Beobachtungen zu Tinas Sprache und der Frage, wie sie mit den Waldtieren kommunizieren kann.

Machen Sie anschließend ein Experiment. Teilen Sie die Klasse in mehrere kleine Gruppen auf. In jeder Gruppe gibt es nun eine „Tina“, die neu in die Gruppe kommt. Die Tina-Figur sollte einen vorher von Ihnen festgelegten Sachverhalt versuchen an die Gruppe zu vermitteln ohne Gesten oder Worte zu benutzen, die in unserem Kulturkreis eindeutig zu identifizieren sind.

Folgende Sachverhalte bieten sich an: Das Gebäude, in das ich gerade gekommen bin, ist sehr schön. Ihr seht freundlich aus. Wer seid ihr?

Jede Gruppe sollte sieben bis zehn Minuten Zeit bekommen, um das Experiment vor den anderen durchzuführen.

Lassen Sie die SchülerInnen schließlich aus der Außen- und Innensicht beschreiben, welche Probleme, aber auch welche Chancen aufgetreten sind. Lassen Sie Vermutungen dazu anstellen, wie zwischenmenschliche Kommunikation funktioniert. Auf was achten wir? Welche Zeichen nehmen wir wahr und wie interpretieren wir sie? usf.

Übung für Kleingruppen / Familien

Klingende Wälder

Der musikalische Leiter der Inszenierung, Bernd Sikora, wollte den Spielort „Wald“ hörbar machen und entschied sich, als ein Percussionelement auf einzelne Töne gestimmte Steine ins Orchester einzubeziehen.

Versuchen Sie ihrerseits auch einmal bei einem Spaziergang den Wald zum Klingen zu bringen.

Gehen Sie auf die Suche nach offensichtlichen und versteckten Geräuschen, die durch klopfen, reiben oder scharren erzeugt werden können. Kann sich ein Rhythmus ergeben? Können natürliche Geräusche als Impulsgeber aufgenommen werden und in ihren Klang des Waldes einbezogen werden?

Spielen Sie, entdecken Sie, musizieren Sie!

Schließlich ergibt sich vielleicht ihr ganz eigenes Tina-Lied, das Sie in die Welt tragen können.

Grundlagentext

Das Musical als eigenständige Kunstform

von Ulrike Leßmann


Elemente des Musicals
Die Bezeichnung „Musical“ ist eine aus dem Englischen stammende Kurzform für „Musical Drama“, „Musical Comedy“ oder „Musical Play“ und meint jeweils ein Drama, eine Komödien oder eine Schauspiel, das durch die Komponente Musik ergänz wird.
Unter „Musical“ versteht man eine Inszenierung, die Schauspiel mit gesanglichen, tänzerischen und musikalischen Live-Elementen ergänzt bzw. von ihnen geprägt wird. Schon das Singspiel oder die Opera buffa/Komische Oper nutzten seit dem 18 Jahrhundert diese künstlerischen Mittel und das Spektrum wurde ab dem 19. Jahrhundert noch um das Genre Operette ergänzt.


Entwicklung des eigenständigen Genres

Das Musical ist jedoch keine Weiterentwicklung dieser Strömungen, sondern ein eigenständiges Genre, das neue Publikumsbedürfnisse befriedigen sollte und auf neue Modeströmungen im späten 19. Jahrhundert reagierte. Seine Entwicklung ist eng an die Entwicklung New Yorks und besonders des Broadway im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert geknüpft.

Die Stadt war ein Schmelztiegel für Einwanderer aus ganz verschiedenen Regionen der Welt, die alle ihre eigenen Musiktraditionen in das Leben der Stadt einbrachten. So entstand eine neue Unterhaltungsform, die Elemente des Blues, des Jazz, Swings, der Countrymusik und Versatzstücke des Pariser Varietees und aus der Londoner Revue aufgriff und zusammenführte. Das Musical setzte sich immer mehr von der europäisch geprägten Operette ab und brachte ein ganz spezifisch amerikanisch geprägtes Lebensgefühl zum Ausdruck.


Die Funktion der Musik im Musical 

Nachdem die ersten Musicals Musik eher als Nummern in die Handlung integrierten, entstanden ab den 1920ern Musicals, in denen Musik, Tanz und Sprache eine Einheit bildeten, die dem Zweck diente, eine Geschichte zu erzählen. Die Entwicklung des Tonfilms gab dem Musical einen zusätzlichen Popularitätsschub, weil Filmproduktionen wie „Ein Amerikaner in Paris“ oder „Singin in the Rain“ opulente Ausstattung mit technischer Perfektion verbanden. Inhaltlich blieben die Musicals am Broadway aber gesellschaftskonform unterhaltend; Gesellschaftskritik und Konflikte spielten keine Rolle. Erst Mit „West Side Story“ von Leonard Bernstein begann 1957 eine Politisierung des Musicals, das sich zunehmend an eine jüngere Generation richtete und zur Entwicklung des Rock-Musicals in London und den USA führte. In diesen Musicals – wie z.B. „Hair“(1967) oder „Jesus Christ Superstar“(1971) ­ – die stark von den Veränderungen in der Musikszene der 1960er Jahre beeinflusst waren, wurde oft ganz auf gesprochene Dialoge verzichtet und die Musik schaffte einen lückenlosen Zusammenhang.


Das zeitgenössische Musical
Die großen zeitgenössischen Musicals wie „König der Löwen“ oder „Hamilton“ sind nicht auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt. Es sind durchkomponierte Musiktheaterproduktionen, in denen die Showelemente immer größere Bedeutung haben. Für diese sind sehr aufwendige technische Rahmenbedingungen nötig. Oftmals werden deshalb für die Produktionen eigene Theaterhäuser gebaut, die ganz auf die Bedürfnisse der Produktion ausgerichtet sind und in denen die Musicals dann über Jahre hinweg gespielt werden.

 

Socalled: Ein künstlerischer Grenzgänger

von Ulrike Leßmann

Der kanadische Künstler Josh Dolphin lässt sich nicht gerne auf eine Kunstform festlegen. Er bezeichnet sich selbst als Pianist, Akkordeonist, Produzent, Journalist, Fotograf, Filmemacher, Zauberer, Cartoonist, Puppenbauer und Hip Hopper und hat so unterschiedliche Projekte wie Kochbücher, Kunstfilme oder Puppen-Gangster-Opern realisiert. Bekannt ist er unter seinem Künstlernamen „Socalled“ aber vor allem als Interpret und Produzent von auf jüdischen Liedern basiertem Hip Hop.

Der aus Montreal stammende Künstler wurde in Ottawa geboren und stammt aus einer jüdischen Familie. Jüdische Musik spielte in seiner Familie allerdings keine große Rolle und in seiner Jugend begeisterte sich Socalled nur für Hip Hop. Jüdische Musik interessierte ihn erst seit seinem Studium. Seither beschäftigt ihn der Einfluss kultureller Traditionen auf zeitgenössische Kunst und das moderne Leben. Socalled sieht sich als Teil einer großen internationalen Musikergemeinde. Immer wieder holt er KollegInnen aus verschiedenen Musikrichtungen und Generationen für Projekte und Konzerte zusammen.

Links

Videomaterial von Socalled

In diesem Clip thematisiert Socalled humorvoll den Umgang mit jüdischen Traditionen:
https://www.youtube.com/watch?v=N_QZNtflyJA

In diesem Clip von Socalled sieht man viele seiner selbstgebauten Puppen. Aus dieser Gruppe stammen auch die Puppen, für die er die Uraufführung von „The Season“ 2013 in Montreal schrieb. https://www.youtube.com/watch?v=koEp2OT6SGI

Vorwort

Liebe PädagogInnen, liebe Eltern,

„Wann spielt ihr mal wieder ein Musical?“ ist eine Frage, die uns in den letzten Jahren häufiger gestellt wurde. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir mit „The Season“ ein Musical gefunden haben, dass Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Vergnügen bereiten kann. Einerseits bietet die Geschichte Anknüpfungspunkte für alle Generationen: Es gibt eine „coole“ Bande von Waldtieren, die zusammen durch dick und dünn geht, eine herzergreifende Liebesgeschichte über Sprachgrenzen hinweg und es wird die drängenden gesellschaftliche Frage verhandelt, ob wir unseren Wohlstand teilen wollen und wie viel Fremdheit wir alle bereit sind auszuhalten.

Die Musik des Kanadiers Socalled verarbeitet verschiedenen Stilrichtungen wie Pop, Hip Hop, Klezmer und Jazz zu einem ganz eigenen Sound, der unabhängig vom Alter ZuschauerInnen mit ganz unterschiedlichem Musikgeschmack gefallen kann. Für die Sphäre des Weltall hat sich der musikalische Leiter Bernd Sikora ein neues Instrument einfallen lassen, das das Orchester nun um die außerirdischen Klänge ergänzt.

Für das tjg. ist es zudem etwas ganz Besonderes, zur Eröffnung des Kraftwerk Mitte unser Puppentheaterensemble auf der Großen Bühne zu präsentieren. Es ist  ein Signal dafür, dass im neuen Theaterbau die Sparten auf all unseren Bühnen vertreten sein werden und in „The Season“ kann man nun erleben, mit welcher Kraft es den Puppen von Hagen Tilp gelingt, den großen Raum zu füllen.

 

Ihre
Ulrike Leßmann (Dramaturgin) & Karen Becker (Theaterpädagogin)

viel|leicht

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Repertoirekarte & Programmheft
GENERATOR - 22.11.2016.pdf
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